Briefwechsel der Brüder Grimm

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Eigenbeiträge zur Kritischen Ausgabe

Aus einem Manuskript von Georg Waitz

Mitglieder der Berliner und der Kasseler Arbeitsstelle haben im Programm der Briefausgabe vorrangig persönlich-vertrauliche Briefwechsel und Historikerbriefwechsel übernommen, Kernbereiche des gesamten Unternehmens. Beide Arbeitsstellen kooperieren auch bei der Edition des Briefwechsels der Brüder Grimm mit Georg Friedrich Benecke einschließlich der  zugehörigen Adversarien, einem Schlüsselzeugnis zur Herausbildung der deutschen Philologie, insbesondere der von Jacob Grimm wesentlich geprägten historischen Grammatik und der von Benecke ähnlich geprägten mediävistischen Editionswissenschaft und Lexikographie.

Zu den in der Arbeitsstelle bearbeiteten vertraulich-persönlichen Briefwechseln gehören  beispielsweise jene mit Gustav Hugo (Band 3 der Ausgabe) oder Alexander von Humboldt (folgt voraussichtlich im Band 9). Seit langem in Arbeit ist der Briefwechsel der Brüder Grimm mit Angehörigen der Familien Haxthausen und Droste-Hülshoff. Außerdem sind in dieser Hinsicht vorrangig die Briefwechsel Jacob und Wilhelm Grimms mit Großvater,  Mutter,  Tante und dem Bruder Ferdinand zu nennen, die jeweils erheblichen Umfang haben und große Teile der privaten Umwelt der Brüder Grimm anschaulich machen.

Dadurch, daß diese vertraulich-persönlichen Briefwechsel die Lebenswirklichkeiten und den geistigen Horizont der Schreibenden relativ allseitig und ungefiltert abprägen, sind sie einerseits inhaltlich besonders gewichtig, wurden aber andererseits von Zeitgenossen und unmittelbar Nachgeborenen als brisant empfunden und sind aufgrund der verständlichen Zurückhaltung, die der Edition von Teilen dieser Korrespondenzen zunächst entgegengebracht wurde, durch die bisherigen Ausgaben nicht angemessen repräsentiert.

Die engen Wechselbeziehungen zwischen der entstehenden deutschen Philologie und einer methodisch neuartigen Geschichtsschreibung in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts sind im Bild der Geschichtswissenschaft und der Germanistik von der Geschichte der eigenen Fächer kaum präsent. Die Historiker des 19. Jahrunderts betrachteten Jacob und Wilhelm Grimm jedoch als zwei der Ihren und beide Seiten inspirierten einander auf vielfältige Weise. Umfangreiche Briefwechsel der Grimms mit führenden Historikern ihrer Zeit bezeugen dies. Nach langjähriger Arbeit können demnächst (Stand 2015) die Briefwechsel der Brüder Grimm mit
Johann Martin Lappenberg und Georg Waitz veröffentlicht werden. Weit fortgeschritten ist die Arbeit an der Edition von Briefwechseln der Brüder Grimm mit Angehörigen der Familie von Raumer, worunter sich auch der Historiker Friedrich von Raumer befindet. Der Briefwechsel mit dessen Neffen, dem Linguisten Rudolf von Raumer, einem Göttinger Studenten der Grimms, ist hingegen philologisch orientiert; Briefwechsel mit weiteren Familienmitgliedern dokumentieren eher private, freundschaftliche Kommunikation.

Die Korrespondenz der Brüder Grimm mit Georg Friedrich Benecke, von der zur Zeit 728 Briefe bekannt sind, soll erstmals vollständig herausgegeben und durch einen Sachkommentar erschlossen werden. Ihr überwiegender Teil ist bisher nicht ediert. Die Edition soll konventionell auf Papier und frei im Internet zugänglich gemacht werden, wobei im Internet zusätzliche Leistungen, vor allem Faksimiles aller Originalbriefe, vorgesehen sind, während die gedruckte Edition das Material kompakt zusammenfasst. Es handelt sich um einen wissenschaftlichen Werkstattbriefwechsel, der in großer Dichte Sachthemen diskutiert. Etwa zur Hälfte liegt er in der Spezialform von Adversarien vor, wobei Jacob Grimm und Benecke jeweils in einer eigenen, nummerierten Serie Fragen und Thesen formulierten, die der andere im freigebliebenen  Bereich der Seite beantwortete.

Benecke gehörte neben den Brüdern Grimm zu den wichtigsten Gründerpersönlichkeiten der Germanistik. Schon als die Brüder Grimm ihre Arbeiten begannen und die Erforschung neuerer Sprachen und Literaturen nur in Nischen des Wissenschaftssystems Platz fand, war Benecke (1762—1844) als Experte für Altdeutsch anerkannt. Zu seinen Studenten gehörte Karl Lachmann, ebenfalls eine der einflussreichsten Gründerpersönlichkeiten des Fachs. Auch mit ihm führten die Brüder Grimm einen umfangreichen wissenschaftlichen Briefwechsel, der innerhalb des Corpus der Grimmschen Korrespondenz und hinsichtlich seiner wissenschaftshistorischen Bedeutung dem mit Benecke vergleichbar ist. Während der  Briefwechsel mit Lachmann vor fast 100 Jahren in einer fundamentalen zweibändigen Ausgabe vorgelegt wurde, blieb die Herausgabe der Korrespondenz zwischen den Grimms und Benecke Desiderat. Ihre inhaltliche Bedeutung liegt in Beneckes prägendem Einfluss auf die philologischen Methoden Jacob und Wilhelm Grimms, in seiner fördernden Mitwirkung an ihrem wissenschaftlichen Erfolg und vor allem in der brieflichen Begleitung der ersten Bände von Jacob Grimms
Deutscher Grammatik, auf der Grimms internationaler wissenschaftlicher Ruhm in erster Linie beruht. Wesentliche von Jacob Grimm entwickelte grammatische und sprachhistorische Modelle und Begriffe werden in seinem Briefwechsel mit Benecke noch vor der Publikation diskutiert und erprobt.

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